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Wieso, weshalb, warum ...

Konzept "Bildung für nachhaltige Entwicklung"

Der Schulbauernhof Emshof ist eine pädagogische Einrichtung in Trägerschaft des gemeinnützigen Vereins Emshof e.V.. Sein Ziel ist die Bildung vor allem von Kindern und Jugendlichen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung. Der Emshof als Schulbauernhof bietet vielfältige Lernsituationen, um gemeinschaftlich und individuell sozial- und umweltgerecht handeln zu können.

Grundlage des stets handlungsorientierten gemeinsamen Lernens ist die praktische Tätigkeit auf dem Hof – zum Beispiel die Tierversorgung, das Bestellen der Äcker und Gemüsebeete sowie das Ernten und Verarbeiten von Lebensmitteln. An diese lebenspraktischen Aufgaben eines Bauernhofes lassen sich vertiefende Themen der vier Dimensionen Soziales, Ökologie, Ökonomie und Kultur anknüpfen. Auf dem Emshof erfahren Kinder und Jugendliche die Hintergründe der Lebensmittelproduktion und damit die Bedeutung von Umwelt, Klima und Biodiversität für das Leben auf der Erde.  Einen Einblick in die Themenfelder bekommen Sie hier. Das Arbeiten in Kleingruppen ermöglicht dabei die Förderung sozialer Kompetenzen, wie Kooperationsfähigkeit, Partizipation, eigenständiges Handeln und gleichzeitig Empathiefähigkeit.

Der von uns vertretene Bildungsbegriff folgt dem von Wolfgang Klafki, welcher die nachhaltige Entwicklung als ein „epochales Schlüsselproblem“ ansieht (1996). Für eine Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) als Leitidee sind Kompetenzen erforderlich, die als „Gestaltungskompetenzen“ zusammengefasst werden. Der Schulbauernhof Emshof leistet vernetzt mit anderen schulischen und außerschulischen Einrichtungen seinen Beitrag dazu diese auszubauen – mit dem Wissen, dass ihr Erwerb letztlich nicht überprüfbar ist.

Inklusion ist auf dem Schulbauernhof Emshof gelebter Alltag. Wir folgen einem weiten Verständnis von Inklusion mit dem Ziel Barrieren für alle Teilnehmer*innen auf dem Schulbauernhof Emshof auf ein Minimum zu reduzieren. Dazu gehört Unterschiede wahrzunehmen, diversitätsbewusst zu arbeiten und zugleich Normalitätserwartungen zu reflektieren. Im Themenfeld der interkulturellen Bildung folgen wir dem rassismuskritischen Ansatz der Migrationspädagogik.

Der Tagesablauf und die Aktivitäten für die Teilnehmenden richten sich auf dem Emshof nach den täglichen und saisonalen Erfordernissen eines landwirtschaftlichen Betriebes. Dazu gehört in jedem Fall die Versorgung der Tiere am Morgen, während die Kinder und Jugendlichen anschließend in Kleingruppen weitere Aufgaben auf dem Hof, den Äckern und Beeten erledigen – im Einklang mit der Natur und im Wechsel der Jahreszeiten. Je nach Alter der Teilnehmer*innen und ihren individuellen Möglichkeiten und Fähigkeiten werden die Inhalte und Abläufe entsprechend angepasst.

Dabei stehen die Themen „Landwirtschaft und Ernährung, Naturschutz und Biodiversität“, ausgehend von der lokalen und regionalen Situation mit Blick auf globale Aspekte, im Fokus. Zusätzlich werden in Abhängigkeit davon, ob die Teilnehmer*innen im Rahmen einer Tagesveranstaltung, mehrmals im Jahr oder wöchentlich auf dem Hof sind, Themen zum Grundwasser, Klima- oder Biodiversitätsschutz vertiefend behandelt. Da die Themen an praktische Tätigkeiten angebunden sind, ergeben sich Aspekte auch situativ. Das bedeutet: Während der praktischen Tätigkeiten entwickeln die Teilnehmer*innen Fragen, die es mithilfe von didaktisch aufbereiteten Materialien zu beantworten gilt. Die Teilnehmer*innen stehen dabei im Mittelpunkt. Anknüpfend an ihre Lebenswirklichkeit erfolgt ein Wissens- und Kompetenzzuwachs im Hinblick auf globale Aspekte sehr individuell. So geht es beispielsweise bei der Aussaat, Pflege und Düngung von Kulturen um die Aspekte Grundwasser-, Bodenschutz und Ökolandbau. Bei der Schaffütterung und der Wollverarbeitung liegt der Aspekt Naturschutz durch extensive Beweidung zugrunde. Und bei der Getreideverarbeitung („Vom Korn zum Brot“) beschäftigen wir uns mit Ernährung und Biodiversität.

Kinder und Jugendliche, aber auch die jungen auf dem Hof arbeitenden Freiwilligen erweitern durch die Arbeit in Kleingruppen ihre sozialen Kompetenzen, indem sie sich in Kooperationsfähigkeit, Partizipation und eigenständigem Handeln üben. Darüber hinaus dienen die Angebote, in denen Praxis, Theorie und eigenes Handeln eng miteinander verzahnt sind, der Verbraucher- und Bewusstseinsbildung und der Erweiterung des selbstständigen und selbstverantwortlichen Handelns.

Literatur: KLAFKI, W. (1996): Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik. Zeitgemäße Allgemeinbildung und kritisch-konstruktive Didaktik. 4. Auflage. Weinheim: Beltz.

 

BNE

BNE = Bildung für nachhaltige Entwicklung

BNE hat die Aufgabe uns in der komplexen heutigen Welt zu zukunftsfähigem Denken und Handeln zu befähigen.

So soll jeder eine sozial gerechte, wirtschaftlich erfolgreiche und ökologisch verträgliche gesellschaftliche Entwicklung mitgestalten können, um allen Menschen heute und in Zukunft ein gutes Leben zu ermöglichen.

Sie möchten mehr wissen?

Sie möchten sich noch weiter über Inhalte, Konzepte und Ideen der Bildung für Nachhaltige Entwicklung informieren? Dann finden Sie hier weitere Informationen.

Rückblick

Von Anfang an dachte der Emshof inklusiv und legte konzeptionelle Grundlagen mt dem Modellprojekt „Bildung für nachhaltige Entwicklung im Themenfeld Landwirtschaft und Ernährung – ökologisches und soziales Lernen für Menschen mit und ohne Behinderung – am Beispiel des Emshofes“ von August 2001 bis Dezember 2003.